Helga Metzner und Anke Otto, Vorstand, zu 25 Jahre Hilfsbereitschaft

Beim Jubiläum 25 Jahre Hilfsbereitschaft des Vereins Die Hilfsbereitschaft e.V. am 13.09.2013 im Roten Rathaus blickten die beiden Vorstände des Vereins zurück und nach vorne:

Helga Metzner

Wir feiern ja heute nicht nur die Entwicklung des Treffpunkts Hilfsbereitschaft zu einem wichtigen Kompetenzzentrum für Bürgerschaftliches Engagement, - wir feiern zugleich mit dem Beginn der Berliner Engagementwoche die Erfolgsgeschichte einer vielfältig aktiven Zivilgesellschaft.

Jedenfalls ist das Jubiläum für uns ein Anlass, die 25 jährige Geschichte des Treffpunkts Hilfsbereitschaft im Kontext der sich verändernden Rolle und Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements zu würdigen und dann einen Blick zu werfen auf die Perspektiven und Wünsche für die nächsten 25 Jahre . Daher freue ich mich sehr auf die anschließende Gesprächsrunde mit Ihnen, Herr Fink , und den anderen Protagonisten des Bürgerschaftlichen Engagements.

Zur Geschichte des Treffpunkts Hilfsbereitschaft nur einige Stichworte: am Anfang stand - auf Initiative des damaligen Senators Fink- die Gründung des Vereins "Die Hilfsbereitschaft" , der zu einer neuen Kultur des Helfens und wechselseitiger Unterstützung beitragen sollte… durch Zusammenführung von Hilfsbedürftigen und hilfsbereiten Menschen zur Erlangung sinngebender Lebensinhalte.“

Dieses Gründungskonzept traf zunächst durchaus nicht nur auf Zustimmung; es gab Widerspruch und Kritik aus den traditionellen Wohlfahrtsorganisationen , und im damaligen sozialpolitischen Diskurs stießen „Hilfsbereitschaft" und „Ehrenamt“ auf heftiges Misstrauen.

Auch noch 10 Jahre später, als ich von Carola Schaaf-Derichs als Vereinsmitglied geworben wurde , überwogen sowohl in meinem politischen Umfeld wie auch in der Alice Salomon-Hochschule Ablehnung und Misstrauen gegenüber dem freiwilligen sozialen Engagement - das als "Ausfallbürge" für abnehmende Leistungen des Sozialstaats und als Bedrohung professioneller Sozialarbeit kritisiert wurde.

Selbst wenn diese Bedenken auch heute noch nicht überall ausgeräumt sind, so hat sich doch in den letzten 10 Jahren ein grundlegend anderes Verständnis des Engagements entwickelt.

Zivilgesellschaftliches Engagement wird inzwischen als wichtiger Teil des demokratischen Gemeinwesens erkannt. Während die Bindung an Parteien und andere Großorganisationen kontinuierlich abgenommen hat, wollen zunehmend mehr Menschen sich vor Ort engagieren und in die Gestaltung ihres Lebensumfelds einmischen.

Der Treffpunkt Hilfsbereitschaft hat - gemeinsam mit vielen der hier anwesenden Mitstreiter - wichtige Impulse gegeben, um diese Entwicklung zu fördern und durch die Vernetzung vieler Organisationen und Akteure neue Infrastrukturen zu schaffen, die dem wachsenden Interesse der Bürgerinnen und Bürger, sich zu engagieren, Handlungsmöglichkeiten und - räume eröffnen.

Aktuelles Zeugnis dafür ist ja die Breite und Vielfalt der Initiativen und Aktivitäten im Rahmen der Engagementwoche.

Ein weiteres aktuelles Element dieser Erfolgsgeschichte ist natürlich auch heute zu erwähnen; denn inzwischen hat das Abgeordnetenhaus ja mit der Zustimmung aller Parteien die Voraussetzungen für eine kontinuierliche Kommunikation zwischen Politik und Zivilgesellschaft geschaffen :am 6. September trat zu ersten Mal der Ausschuss für Bürgerschaftliches Engagement zusammen.

Wir sehen darin einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Stärkung und Förderung der engagierten Zivilgesellschaft - und zur Öffnung von Politik und Verwaltung für die vielfältigen Engagements und Beteiligungswünsche der Bürger - und freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Schritte.

Jetzt sind wir erst mal gespannt auf die Perspektiven und Anregungen, die heute hier entwickelt werden.

 

Anke Otto

 

Im Gegensatz zu meiner Vorrednerin Helga Metzner kann ich lediglich auf knapp 2 Jahre Mitarbeit in dem Verein „Die Hilfsbereitschaft“ zurückblicken, bin also quasi noch neu in dem Geschäft. Das Thema allerdings, Bürgerschaftliches Engagement in seinen vielfältigen Ausprägungen und in seiner Bedeutung für eine partizipative Gesellschaft, ist mir durch meine 11-jährige Tätigkeit als Jugendstadträtin absolut gegenwärtig.

Gerade die Jugendarbeit lebt von ehrenamtlicher Tätigkeit von Kindern und Jugendlichen für Kinder und Jugendliche. In jeder Jugendeinrichtung gibt es – neben Erwachsenen und Hauptamtlichen - junge Menschen, die Gruppen für z.B. Musik, verschiedene Sportarten, Schularbeitenhilfe u.v.m. anbieten. Sie tun das, weil sie meist zuvor selbst an derartigen Aktivitäten teilgenommen haben und wissen, dass das Freude macht und Befriedigung gibt.

Als wir im Bezirk 2009 die Ehrung ehrenamtlich tätiger Jugendlicher eingeführt haben – auf ausdrückliche Anregung der Jugendlichen!!! – wurde sofort klar, wie breit gefächert die Bereiche sind, in denen Jugendliche sich engagieren. Schulische Gremien, Umweltschutz, Altenhilfe, aber auch so außergewöhnliche Dinge wie die Initiative zu einem Knochenmarkspendenkatalog. Es war beeindruckend, was es alles an Aktivitäten gab und gibt.

Gleichzeitig – und halte ich für besonders wichtig - fördert dieses ehrenamtliche Engagement von jungen Menschen das Interesse an Beteiligung, an Mitgestaltung des Lebensumfelds. Es stärkt die soziale Kompetenz, das Verantwortungsgefühl und ein Verständnis für demokratische Zusammenhänge. Bereits im Kindergarten kann man – natürlich altersgerecht – damit anfangen, Beteiligung und Unterstützung einzuüben. Damit wird es auch in späteren Jahren selbstverständlich und üblich, sich als handelndes Subjekt zu begreifen und nicht als duldendes Objekt.

Und das braucht eine offene Gesellschaft!

Und genau das ist für mich das wesentliche an Bürgerschaftlichem Engagement: eine lebendige Demokratie lebt von Menschen, die sich einbringen, die sich beteiligen, die Verantwortung übernehmen wollen. Diese Möglichkeit sich zu engagieren, dieses Recht auf ehrenamtliche freiwillige Tätigkeit, wird einerseits von der Zivilgesellschaft zunehmend mehr eingefordert und wahrgenommen, andererseits muss es entsprechende verlässliche Strukturen geben, die dies ermöglichen und fördern. Die Politik muss die elementare Bedeutung von Bürgerschaftlichem Engagement für das Gemeinwesen erkennen und wertgeschätzt. Daran müssen wir trotz vorhandener Erfolge weiter arbeiten.

Vor diesem Erfahrungshintergrund ist es für mich natürlich eine große Ehre und ein großes Vergnügen, zusammen mit Helga Metzner und Carola Schaaf-Derichs in der Hilfsbereitschaft das Thema Bürgerschaftliches Engagement weiter zu bewegen, zu fördern und fortzuentwickeln. Ich wünsche uns allen gemeinsam weitere spannende und sicher auch bürgerlich bewegte Jahre im Sinne einer lebendigen, offenen und partizipativen Gesellschaft.